Harry Potter in gruselig

4 Apr

Mal ganz ehrlich: Hat irgendjemand geglaubt, ich könnte etwas zu „Die Frau in Schwarz“ schreiben, ohne dabei Harry Potter zu erwähnen? Ich glaube, den Stempel hat Daniel Radcliffe für lange, lange Zeit weg. Das ist etwas so. Dazu aber später mehr.

Die Frau in Schwarz Movie BannerErstmal zum Film an sich: „Die Frau in Schwarz“ ist ein neues Gruseldrama von James Watkins. Freigegeben ist er ab 12 und damit wohl wirklich eher als Gruselfilm gedacht. Ich bin fast 30 und muss sagen, dass ich ihn schon als ausgewachsenen Horrorschinken beschreiben würde. Nun bin ich jetzt auch nicht gerade hart im Nehmen, wenn es um solche Filme geht, aber ein Kind würde ich jetzt nun nicht gerade in den Film schleppen. Da waren doch einige Schockmomente dabei.

Es geht um Arthur Kipps, dessen Job als Anwalt auf der Kippe steht, weil er sich nach dem Tod seiner Frau kaum noch konzentrieren kann. Als alleinerziehender Vater ist er nun hin- und hergerissen zwischen der Trauer um seine Frau, die ständige Sorge um seinen kleinen Sohn und dem Stress, den der Job mit sich bringt. Als letzten „Test“ trägt ihm sein Chef auf, in ein kleines Dorf, wo er sich um den Nachlass einer alten Witwe kümmern soll. Diese hat in einem alten Herrenhaus gelebt, welches, zu den meisten Tageszeiten durch die Flut vom Festland getrennt, einsam auf einer Insel liegt. Schnell stellt er fest, dass er ihm Dorf alles andere als Willkommen ist und dass über Jahre hinweg seltsame Todesfälle die Familien ihrer Kinder berauben. Und irgendwie scheinen die Dorfbewohner plötzlich ihn zu beschuldigen, obwohl er zuvor noch nie etwas von dem Ort oder den toten Kindern gehört hat. Als er seiner Arbeit in dem alten Haus nachgehen will, trifft er auch bald auf die gruselige Erscheinung einer schwarz gekleideten Frau und beginnt zu ahnen, dass diese und die Ablehnung der Dorfbewohner in einem Zusammenhang stehen müssen.

Die Geschichte fand ich ja sofort super. Obwohl ich, was Horrorfilme betrifft, ein echtes Weichei bin, liebe ich solche Geistergeschichten. Gut gemacht schaue ich sie mir immer gern an, auch wenn ich die Hälfte des Films nur an meinen vors Gesicht geschlagenen Händen vorbei sehen kann. Und ich muss sagen, „Die Frau in Schwarz“ ist wirklich sehr gut gemacht. Die Schockmomente sind genau auf den Punkt und haben fast den gesamten Kinosaal zum Quieken gebracht. So kann man sich zusammen erschrecken und danach über sich selbst lachen. Gut fand ich auch, dass die Stimmung des Films zwar bedrückt war, er aber den Kinobesucher nicht zu deprimiert zurück lässt. Während des Schauens kann man sehr gut die Abgeschiedenheit des Dorfes und die Trauer der Menschen spüren, geht aber nicht grübelnd nach Hause. Ich mag zwar auch Filme, die mich zum Nachdenken bringen, aber bei solchen fiktiven Gruselgeschichten brauch ich das nicht. Da gibt es dann nichts zum Nachdenken und auch keine großen moralischen Aussagen. Hier will ich einfach ein bißchen geschockt werden und nachher darüber lachen.

Hauptdarsteller ist, wie gesagt, Daniel Radcliffe. Und ja, natürlich denkt man dabei automatisch an Harry Potter. Ich muss aber sagen, dass ich während des Films gar nicht wirklich daran denken musste. Ich saß nicht da und habe mir überlegt, ob er jetzt da oder da noch zu sehr wie der kleine Zauberschüler wirkt, sondern habe ihm die Rolle durchaus abgenommen. Er wirkte absolut wie der melancholische, ernste alleinerziehende Vater. Dabei war das natürlich ein ganz schönes Risiko. Wie auch Harry Potter spielt „Die Frau in Schwarz“ in England, man sieht viel von der Architektur in britischen Dörfern und insgesamt sehen die Drehorte denen vieler Harry Potter-Filme sehe ähnlich. Und wie wir ja wissen, machen ähnliche Hintergründe es unserem kleinen menschlichen Hirn nicht gerade einfacher, den Schalter umzulegen. Jetzt weiß ich nicht, ob er hauptsächlich solche Rollen angeboten bekommt oder ob er sie sich freiwillig aussucht, aber ich fand die Wahl doch mutig.

Zu 100% begeistert bin ich aber trotzdem nicht. Warum? Weil es von der Geschichte her wieder einer dieser Filme war, bei denen man sich nachher fragt, was denn jetzt eigentlich passiert ist. Kurzweilig ist er zwar, und man hat nicht das Gefühl, gerade fast zwei Stunden rumgesessen zu haben, aber das war’s dann auch. Dass es wirklich richtige Highlights und unvergessliche Ereignisse gab, kann ich nicht behaupten. Was bleibt, ist das Gefühl, sich ein wenig erschreckt und insgesamt einen gut gemachten Film gesehen zu haben. Aber wenn mich am Ende des Jahres jemand nach meinen Filmhighlights 2012 fragt, fällt „Die Frau in Schwarz“ da sicher eher weniger ins Gewicht. Schade eigentlich.

Links zum Film: imdb | Offizielle Seite

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